Eine der ersten Fragen, die Schriftsteller beantworten dürfen, ist neben: “Und, kannst du davon leben?”, meistens: “Wann hast du mit dem Schreiben angefangen?” Da kommen dann so strunzdumme Sachen raus wie: “Ich kam schon mit einem Füllfederhalter auf die Welt”, oder: “Ich hab schon im Kindergarten 300-seitige Kurzgeschichten geschrieben.” GÄÄHN.
Bei mir war das nicht so. Ich fand Schreiben in der Schule voll doof und ich fand auch Bücher doof, denn echte Jungs lesen nicht.
Das kam bei mir alles sehr viel später. Schuld daran war Paul Auster. Mich erwischte “Stadt aus Glas” als Hörspiel und irgendwas an der Geschichte packte mich. Der Plot nahm eine so verrückte und absurde Wendung, dass ich in die Buchhandlung musste, um mir das Buch zu kaufen, denn ich hatte die Geschichte nicht verstanden. Und das wurmte mich total.
Leider musste ich feststellen, dass es “Stadt aus Glas” als Taschenbuch nicht gab. Ich musste mir also einen Schmöker kaufen mit dem Titel: “New York Trilogie”. Dort war dann der Text zu finden und ich fing widerwillig an zu lesen. Denn ich fand lesen scheiße. Ja, wirklich. Es war mir zu mühselig, zu langsam und dann war die Schrift so klein und ich musste Licht anmachen und überhaupt. Gibts davon keinen Film?
Aber ich blieb dran und las die Geschichte über einen Mann, der scheinbar seine Identität verlor … und hatte sie immer noch nicht verstanden. Was für eine Kacke. Ich war zu blöde für den Text.
Mittlerweile habe ich das Buch mehr als fünfmal gekauft, immer wieder verschenkt und lese immer noch gerne darin. Ich liebe die Geschichte. Sie ist düster, lustig und mittlerweile habe ich natürlich meine eigene Theorie, was da eigentlich zwischen den Seiten vor sich geht und ich genieße es, dass alles so eindeutig uneindeutig bleibt.
Ich war übrigens früher Sänger in einer Band. So richtig mit Proberaum und alles. Zuerst in einer Punkband. Kein Witz, unser Drummer hatte ein Holzbein und stellte es immer vor sein Set, oder verprügelte nach Live-Auftritten unser besoffenes Publikum. Später stieß ich dann zu einer Rockband. Wir waren sogar ganz gut, nur leider mussten wir uns wieder trennen, weil wir uns nicht einigen konnten, wer DAS MÄDCHEN bekommt. Am Ende hat natürlich der Drummer sie geheiratet.
Und das, liebe Kinder, ist eine fundamentale, kosmische Wahrheit über das Leben: Der Drummer kriegt das Mädchen. Iss so. Kannst dich auf den Kopf stellen. Du denkst, der Sänger, die Rampensau, der Frontmann, bekommt die heißen Girls? Oder vielleicht der süße, leicht verträumte Bassist mit den tollen Locken? NOPE, es ist der Schlagzeuger. Immer.
Jedenfalls schrieb ich die Songtexte für unsere Band. Und natürlich war das totaler Müll.
“Oh, Baby, Baby! Oh, Baby, Baby!
love me and let me be your Underwear.”
Aber das Songtexteschreiben machte mir Spaß. Es hatte eine HALTEN SIE SICH FEST, therapeutische Wirkung. Kleiner Tipp von mir für dich. Wenn dich Dämonen quälen, solltest du keine Bücher schreiben. Natürlich darfst du sie schreiben, wenn’s dir hilft, aber bitte belästige niemanden mit deinen Problemen durch eine undurchdachte Veröffentlichung. Bring deinen Scheiß zur Therapie, krieg dich wieder auf die Reihe und wenn es dir wieder besser geht und das wünsche ich dir total, und du Abstand zu den Dingen gewonnen hast, dann setz dich hin und schreib nen geilen Text.
Also, wo war ich? Schreiben. Genau. Um deine Stimme zu finden, musst du sie nutzen. Also schreibe, als wäre der Teufel hinter dir her. Schreibe so viel du kannst, dadurch wirst du besser und LESEN nicht vergessen.
Ich fand diesen Schreibtipp immer ganz schrecklich. Wer schreiben will, muss auch lesen. Aber ja, es stimmt. Du kannst so viele Youtube-Videos gucken wie du willst und Kate Cavanaugh liebt dich sicher ganz doll dafür, und du kannst auch so viele Schreibratgeber über gerettete Katzen auswendig lernen wie du möchtest, aber wenn du keine Bücher liest, bist du irgendwo falsch abgebogen. Und ich weiß echt, wie schwer das ist. Ich liebe Filme, Serien, und ich zocke gerne und ich hab so viel zu tun und Lesen ist so langsam.
Der GAMECHANGER war dann allerdings … Ich wollte schon immer mal das Wort Gamechanger schreiben. In mir zieht sich bei dem Wort alles zusammen. Ich glaube, ich habe grade sogar spontan nen Pickel bekommen. Gamechanger. Das Wort rangiert bei mir gleich neben CONTENT und MINDSET. Jedenfalls hat der E-Reader für mich einen echten Unterschied gemacht. Auf der Kiste kann ich wirklich nichts anderes machen als lesen. Dafür ist es gebaut, das ist sein einziger Zweck.
Im Moment lese ich die ersten Kapitel meines neuen Romans auf meinem Kindle und finde dauernd neue Fehler. Was ganz gut ist. Irgendwann siehst du die kleinen Kommafehler und Buchstabendreher nicht mehr und meistens hilft es, das Lesegerät zu wechseln. Jedenfalls bin ich grad in der finalen Überarbeitung und wenn das nicht eine total geniale Überleitung zu meinem neuen Buch ist, dann weiß ich auch nicht. Aber hey, mein Blog, meine Werbung.
Titel und Cover werde ich noch nicht verraten, aber mein neuer Text fühlt sich wie “Grindhouse” auf Papier an. Mit hoffentlich rasantem Tempo. Flüssig und schnörkellos. Die Kapitel sind kurz, und die Handlung beginnt ohne lange Einleitung direkt mit der Bedrohung. Die Geschichte wird sich wie ein Low-Budget-Horrorfilm aus den 80er Jahren, wie ein trashiges B-Movie anfühlen. Harter Splatterpunk mit schwarzem Humor, absurden Wendungen und extrem sadistischen BDSM-Praktiken.
Im Februar kommt der Schlingel raus und manchmal, eigentlich öfter, als ich zugeben möchte, frage ich mich, ob ich zu weit gehe. Ob ich den Bogen überspanne. Und dann denk ich mir: “Scheiß drauf.”
Ich lasse auch beim Duschen das Licht aus. Ich habe vor allem Angst, mache mir dauernd Sorgen und gehe lieber auf Nummer sicher. Risikobereitschaft steht jetzt nicht in meinem Reisepass, aber in meinen Texten bin ich mutig, furchtlos, konsequent und ehrlich. Und nein, ich muss nicht authentisch sein, das ist eh bullshit, aber wahrhaftig, das kann dann doch durchaus mal vorkommen.
Ich schreibe saftigen Porn und derben Horror. Und wie die meisten im Extreme-Horror-Genre denke ich, dass der größte Nachteil darin besteht, vorzutäuschen, dass man in diesem Genre etwas Ernstes schreiben kann, anstatt die Absurdität zu umarmen.
Von daher: Ich will dir weh tun, dich verstören, dich zum Lachen bringen und dich geil machen. Das ist der Job. Die Rolle der Kunst ist Provokation. Sie muss etwas hinzufügen, sonst braucht es sie nicht.
Und jetzt schnall dich an, wir düsen rüber nach Las Vegas zu den Killers. Ich liebe die Band und Brandon Flowers Stimme. Zuletzt hatten sie ihre Springsteen-Phase und ein Song hat es mir besonders angetan. The Getting By II. Der Song kriegt mich immer ab Minute dreifuffzig. Viel Vergnügen.
So, kein Bock mehr, ihr Pimmelnasen. Bis bald und lasst es euch gut gehen.
“Was geht Dillon” ist meine aktuelle Blog-Reihe. Du findest alle Artikel auch auf Medium.com